Frauen im Basketball: Erfolge, Hürden und der Weg nach vorne

Frauen im Basketball: Erfolge, Hürden und der Weg nach vorne

Frauen im Basketball haben seit Jahrzehnten bewiesen, dass sie genauso talentiert, hart arbeitend und konkurrenzfähig sind wie ihre männlichen Kollegen. Doch trotz spektakulärer Spiele, rekordverdächtiger Leistungen und wachsender Fanbasis bleibt der Weg zur Gleichstellung ein langwieriger Kampf. Es geht nicht nur um Gehälter oder Medienaufmerksamkeit - es geht um Anerkennung, Infrastruktur und Chancengleichheit von der Jugend bis zur Profiliga.

Die Geschichte der Frauen im Basketball

Der Frauenbasketball hat seine Wurzeln in den 1890er Jahren, nur wenige Jahre nach der Erfindung des Spiels durch James Naismith. Schon damals spielten Frauen an Universitäten in den USA - mit eigenen Regeln, die sich später an die der Männer angleichen sollten. Doch bis in die 1970er Jahre blieb der Sport weitgehend unbeachtet. Der Titel IX-Gesetz von 1972 in den USA war ein Wendepunkt: Es verpflichtete Bildungseinrichtungen, Frauen gleichberechtigt am Sport teilhaben zu lassen. Plötzlich gab es mehr Teams, mehr Stipendien, mehr Sichtbarkeit.

1997 gründete sich die WNBA - die erste professionelle Frauenbasketballliga der USA mit dauerhafter Struktur. Die ersten Spielerinnen wie Lisa Leslie, Sheryl Swoopes und Cynthia Cooper wurden zu Vorbildern. Ihre Leistungen waren nicht nur sportlich beeindruckend, sie zeigten auch: Frauen können Basketball auf höchstem Niveau spielen - mit Geschwindigkeit, Kraft und taktischer Intelligenz.

Was Frauen heute erreichen

Heute ist die WNBA eine globale Marke. Spielerinnen wie A’ja Wilson, Breanna Stewart und Sabrina Ionescu ziehen nicht nur Zuschauer an, sondern auch Sponsoren und Medien. Die Zuschauerzahlen stiegen 2024 um 23 % im Vergleich zu 2022. Die Finals wurden in 17 Ländern live übertragen - ein Rekord. In Deutschland spielen Spielerinnen wie Sira Ndiaye (Bamberg) oder Mandy Laddish (Rosenheim) in der Damen-Basketball-Bundesliga und trainieren mit denselben Trainern, denselben Physiotherapeuten und denselben Trainingsplänen wie die Männer - nur mit weniger Budget.

Auf internationaler Ebene dominiert das US-Team weiterhin: Seit 1996 haben die USA bei jeder Olympischen Spiele Gold gewonnen. Aber auch Teams aus Frankreich, Serbien, Belgien und Australien kommen immer näher. Bei der WM 2022 erreichte Frankreich das Finale - und verlor nur knapp gegen die USA. Das zeigt: Der Abstand schließt sich.

Die Hürden, die noch immer bestehen

Doch hinter den Erfolgen verbirgt sich eine Realität, die kaum jemand sieht. Die durchschnittliche WNBA-Spielerin verdient im Jahr 2025 etwa 120.000 US-Dollar - das ist weniger als ein Drittel des Mindestgehalts eines NBA-Spielers. Die meisten Spielerinnen müssen im Winter in Europa oder Asien spielen, um über die Runden zu kommen. Einige arbeiten nebenbei als Lehrerinnen, Kinderbetreuerinnen oder in Call-Centern.

Die Infrastruktur ist ungleich. In den USA haben 80 % der Highschool-Mädchen-Basketballteams keinen eigenen Trainer, sondern werden von Eltern oder Lehrern betreut. In Deutschland gibt es in 60 % der Regionen keine qualifizierte Nachwuchsförderung für Mädchen über 14 Jahren. Die U16- und U18-Nationalteams werden oft mit alten Bällen, kaputten Hallen und ohne Physiotherapeuten trainiert.

Und dann ist da noch die Medienberichterstattung. Im Jahr 2024 wurden nur 4 % aller Sportberichte in deutschen Fernsehkanälen Frauen im Basketball gewidmet - trotz steigender Zuschauerzahlen. Ein Spiel der deutschen Damen-Nationalmannschaft gegen Frankreich bekam weniger Fernsehzeit als eine Bundesliga-Begegnung der Männer zweiter Liga.

Eine Frau basketballt in einem Stadion, silhouettiert gegen einen goldenen Sonnenuntergang, mit historischen Bildern im Hintergrund.

Warum das alles wichtig ist

Dass Frauen Basketball spielen, ist kein Randphänomen. Es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn Mädchen sehen, dass Frauen in der Liga spielen, trainieren, gewinnen - dann glauben sie auch, dass sie es können. Studien zeigen: Mädchen, die in der Schule Basketball spielen, haben eine 30 % höhere Wahrscheinlichkeit, später eine Führungsposition einzunehmen. Sie lernen, sich durchzusetzen, mit Verlust umzugehen, im Team zu arbeiten - Fähigkeiten, die im Berufsleben zählen.

Und es geht nicht nur um die Spielerinnen. Es geht um die Trainerinnen, die Schiedsrichterinnen, die Journalistinnen, die Managerinnen. In der WNBA arbeiten mittlerweile 42 % der Führungskräfte weiblich - ein Wert, den die NBA noch nicht erreicht hat. In Deutschland ist die Zahl der weiblichen Trainer in der Bundesliga auf 18 % gestiegen - immer noch zu wenig, aber ein Fortschritt.

Was sich verändern muss

Veränderung braucht keine Revolution - sie braucht konsequente Schritte:

  • Finanzierung: Vereine und Verbände müssen mindestens 50 % der Budgets für Mädchen- und Frauenmannschaften bereitstellen - nicht als „Bonus“, sondern als Standard.
  • Medien: Fernsehsender und Streaming-Dienste müssen Spiele der Damenligen in Prime-Time senden - nicht nur als „Zusatzprogramm“.
  • Infrastruktur: Jede Schule, die Basketball anbietet, muss Mädchen und Jungen gleichberechtigt mit Hallenzeiten, Bällen und Trainern versorgen.
  • Rollenvorbilder: Es braucht mehr Sponsoren, die Frauen im Basketball sichtbar machen - nicht nur als „Schönheitspreis“, sondern als Athletinnen mit Leistung.

Ein Beispiel: Die deutschen Basketballverbände haben 2023 ein Programm gestartet, das jede Region mit einem „Girls’ Basketball Hub“ ausstattet - mit qualifizierten Trainern, regelmäßigen Wettkämpfen und Stipendien für Talente. Seitdem stieg die Zahl der gemeldeten Mädchen in der U14-Klasse um 41 %. Das ist kein Zufall - das ist gezielte Investition.

Eine Waage zeigt den Unterschied zwischen Frauen- und Männerbasketball-Einkommen, mit Mädchen, die hinaufzeigen.

Was du tun kannst

Du musst keine Profispielerin sein, um etwas zu verändern. Du kannst:

  • Ein Spiel der Damen-Bundesliga besuchen - und deine Freunde mitbringen.
  • Eine Spielerin auf Social Media unterstützen - kommentieren, teilen, liken.
  • Deinen lokalen Verein fragen: „Warum gibt es keine Mädchenmannschaft in der U16?“
  • Deine Tochter, Nichte oder Schülerin ermutigen: „Du kannst das - und du bist nicht allein.“

Es ist nicht nötig, alles perfekt zu machen. Es reicht, anzufangen. Jeder Zuschauer, der sich für ein Spiel interessiert, jeder Elternteil, der die Tochter zur Halle bringt, jeder Journalist, der über eine Siegerin schreibt - das ist der wahre Wandel.

Die Zukunft ist schon da

Die jüngsten Talente in Deutschland, den USA und Europa zeigen: Die nächste Generation wird nicht mehr fragen, ob Frauen Basketball spielen dürfen. Sie werden fragen: „Warum sollte es anders sein?“

Ein 13-jähriges Mädchen aus Hamburg sagte kürzlich in einem Interview: „Ich schaue mir Sabrina Ionescu an, weil sie cool ist - nicht, weil sie eine Frau ist.“ Das ist der Punkt. Nicht mehr „Frauenbasketball“ als Ausnahme. Sondern einfach: Basketball. Mit Frauen. Und das ist die Zukunft - und sie ist bereits im Gange.

Warum verdienen Frauen im Basketball weniger als Männer?

Der Hauptgrund ist die geringere Einnahmenlage der Frauenligen. Fernsehrechte, Sponsoring und Ticketverkäufe sind deutlich niedriger als bei den Männern - was direkt auf geringere Medienpräsenz und historische Unterfinanzierung zurückzuführen ist. Die WNBA hat 2024 erstmals einen TV-Vertrag mit Amazon im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre abgeschlossen - ein großer Schritt, aber immer noch weniger als die Hälfte des NBA-Deals. Solange die Einnahmen niedrig bleiben, bleiben auch die Gehälter niedrig.

Gibt es in Deutschland eine Damen-Basketball-Bundesliga?

Ja, die Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) ist die höchste Spielklasse für Frauen in Deutschland. Sie besteht aus 14 Mannschaften und wird vom Deutschen Basketball Bund (DBB) organisiert. Teams wie der USC Heidelberg, der BBC Magdeburg oder die DJK Don Bosco Bamberg gehören zu den erfolgreichsten. Die Saison läuft von Oktober bis Mai, mit Play-offs und Meisterschaftsfinale. Die Zuschauerzahlen steigen jährlich - besonders in den großen Städten.

Wie kann ich mein Kind für Frauenbasketball begeistern?

Beginne mit einfachen Schritten: Schau dir gemeinsam ein Spiel der WNBA oder der DBBL an - am besten mit einem spannenden Finale. Sprich mit deinem Kind über die Spielerinnen: Was macht sie besonders? Welche Fähigkeiten haben sie? Suche nach einem Verein in deiner Nähe, der Mädchenmannschaften hat - oft gibt es kostenlose Probetrainingstage. Wichtig ist: Zeige Interesse, ohne Druck auszuüben. Wenn dein Kind Spaß hat, wird es bleiben.

Welche Rolle spielen Trainerinnen im Frauenbasketball?

Trainerinnen sind entscheidend - besonders als Vorbilder. In der WNBA sind 35 % der Head-Coaches Frauen - ein Rekordwert. In Deutschland sind es noch 18 % in der DBBL. Frauen als Trainerinnen vermitteln nicht nur Taktik, sondern auch Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen: von der psychologischen Belastung bis zur körperlichen Entwicklung. Sie zeigen: Führung im Sport hat kein Geschlecht.

Warum ist die WM 2022 ein Wendepunkt für den Frauenbasketball?

Die WM 2022 war die erste, bei der alle Spiele live im Free-TV in Deutschland übertragen wurden - und zwar mit hoher Reichweite. Die deutsche Mannschaft erreichte das Viertelfinale und spielte gegen die USA mit einer Leistung, die viele als „bestes Spiel der deutschen Damen-Geschichte“ bezeichneten. Die Zuschauerzahlen stiegen um 120 % im Vergleich zur WM 2018. Die Medien berichteten erstmals nicht nur über das Ergebnis, sondern über die Spielweise, die Strategie, die Emotionen - als würden sie eine Männermannschaft behandeln. Das war ein Signal: Frauenbasketball ist ernst zu nehmen.